Blutegel und seine Wirkung

Oft höre ich während der Behandlung von vorbeilaufenden Menschen: " Igitt Blutegel." oder " Ekelhaft, wie die aussehen und wie sie sich bewegen".

Ich muss dann immer schmunzeln. Wenn man sie sich genau anschaut, sind sie eigentlich hübsche Tiere und haben eine interessante Zeichnung auf dem Rücken.

Es gibt viele verschiedene Arten von Blutegeln. Entwicklungsgeschichtlich sind sie sehr alt, mehr als 650 Millionen Jahre. Für die Behandlung wird ausschliesslich der medizinische Blutegel genutzt, " Hirudo medicinalis". Dieser wird auf Farmen gezüchtet und von dort aus verkauft. Da die Aufzucht sehr arbeits- und zeitintensiv ist, sind die Egel auch nicht günstig in der Anschaffung.

Sie gehören zu den Ringelwürmern und das Wort "Egel" hat seine Abstammung nicht von "Ekel" sondern kommt aus dem griechischen "Echis" und bedeutet " kleine Schlange".

Blutegel sind Zwitter. Man kauft immer die Männchen und nach der Behandlung werden sie zu Weibchen. Habe es aber noch nicht mit einer eigenen Zucht probiert. :-)

Sie haben ein sensationelles biologisches Equipment an Bord. Sie verfügen über eine Reihe von medizinisch wirksamen Substanzen in ihrem Speichel. Der Egel entscheidet individuell, wieviel er von welchem Wirkstoff an das Pferd abgibt. Das macht ihn so einzigartig.

Wirkstoffe sind u.a.:  Hirudin, sorgt für eine verzögerte Gerinnung

                                 Calin, sorgt dafür, dass die Wunde sich nicht so schnell verschliesst

                                 Egline wirken entzündungshemmend und antibakteriell

                                 Bdellin wirkt gefässerweiternd

Mit seinen 3 mercedessternförmigen angeordneten Kiefern mit jeweils 80 Zähnchen sägt er sich in die Haut. Die Wirkstoffe werden durch den Speichel bereits bei diesem Vorgang in das Pferd gebracht. Der abgesonderte Cocktail wirkt sythemisch, verbreitet sich also im ganzen Körper. In der Natur stellen sich die Pferde in den Teich und die Egel wissen genau, an welcher Stelle "Bedarf" ist. Hier in unserer Welt sieht es ein wenig anders aus. Wenn ich warten würde, bis die Egel ein "schönes Plätzchen" gefunden haben, werden die Pferde zu ungeduldig. Daher setze ich die Egel direkt an eine von mir gewählte Stelle, um die Geduld des Pferdes nicht zu strapazieren.

Schmerzhaft ist der Biss nicht aber es kribbelt etwas, während sie sich in die Haut sägen. In einem Selbstversuch kann ich bestätigen, dass es sich anfühlt, als würde man in Brennessel fassen. Das Saugen spürt man nicht.

Der Biss wirkt auf verschiedene Weise: Als Injektion von heilsamen Substanzen, als Aderlass und er saugt auch Substanzen aus dem Körper, zum Beispiel verflüssigte Thromben.

Blutegel können über 30 Jahre alt werden. Für die medizinischen Blutegel ist das Leben allerdings nach einer Behandlung beendet. Als Anwender ist man gesetzlich verpflichtet sie anschliessend zu töten, um eine Übertragung von Krankheitskeimen auszuschliessen. Das ist natürlich der unschöne Teil der ansonsten genialen Behandlungsart . Ich tröste mich damit, dass sie kein Schmerzempfinden haben und friere sie ein.

Also ich persönlich habe eine grosse Hochachtung vor diesen Tieren und vielleicht ist der Ekel nach diesen Zeilen ein wenig verschwunden. :-)

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